Archiv 2015

11.12.2015 

Heut gilt es die letzte Ladung Laub zur Deponie zu bringen. Der prall gefüllte Anhänger mit Plane wird an meines Vaters Bus gedingst (Kennt ihr den Spruch: Seitdem ich das Wort "Dings" kenne, kann ich einfach alles erklären.) und los geht's. Wegen Pauls gestörtem Verhältnis zu diesem Auto schwing ich mich auf den Fahrersitz. Paul: "Willste wirklich? Mit Anhänger und rückwärts und so?" Ich: "Hüpf rinn, du Kasperkopp." Und los geht die wilde Fahrt. Alles easy. Bissl rumpeln; Paul: "Ditt war n Bordstein." Ich: "Aha." Weiter alles easy. Und hier und da halt ein Rumpeln. Inna Deponie angekommen stelle ich erleichtert fest, dass es leer is, lasse mir aber nix anmerken. Ich dreh ne große Runde über den Platz und fahr gerade rückwärts zum bestehenden Laubberg. Der Anhänger scheint keine Lust zu haben und fährt lieber nach links. Mmh. Ein Anhänger mit Eigenleben. Na gut. Also wieder nach vorne bis der Hänger grade steht. Dann wieder rückwärts. Der Hänger wieder links. Paul: "Merkste, wo ditt Problem mit dem Hänger is?" Ich: "Ja, dassa nich vorne sondern hinten am Auto dran is." Paul: "Nee, dass er für den Bus zu klein is und du ihn in den Seitenspiegeln nicht sehen kannst." Ich: "Ruhe. Ich muss mich konzentrieren." Noch vor Einbruch der Dunkelheit hab ich das störrische Biest dann am Bestimmungsort. In welchem Winkel der Bus zum Hänger steht, ignorieren wir an dieser Stelle mal. Paul steigt aus, macht die Plane auf, holt die Harke raus und beginnt zu entladen. Ich stell mich dazu und krame nach meinen Zigaretten. Paul: "Hier is rauchen verboten." Ich: "Watt?" Paul: "Ja, da steht n Schild an der Einfahrt." Ich: "Und wo is die Raucherzone?" Paul: "Watt?" Ich: "Na die werden doch wohl ne Raucherzone haben. Ditt wär ja Diskriminierung." Paul: "Reiß dich mal zusammen." Ich grummel und gucke ihm gelangweilt bei der Arbeit zu: "www punkt mach mal schneller punkt de!" Paul: "www punkt halt die Klappe und mach selber punkt." Ich: "Du hast das 'de' vergessen." Paul: "www punkt schweig gefälligst punkt de!" Ich: "www punkt ich entertaine dich bloß punkt." Paul: "Du hast das 'de' vergessen." Ich: "www punkt Klugscheißer punkt COM!" Irgendwann is das Gekasper fertig und wir fahren nach Hause. Hier und da ein Rumpeln. Paul: "Pass doch auf den Bordstein auf!" Ich: "Du immer mit deinen Bordsteinen. Glaubste von n bissl Bus plus Hänger gehen die kaputt?" Paul rollt die Augen. Zuhause angekommen dreh ich vor der Einfahrt wieder ne große Runde, so dass der Anhänger gerade vor dem Tor steht. Ich fahre rückwärts. Der Anhänger will zu den Nachbarn. Ich fahre nach vorne und versuche es erneut. Der Anhänger hat es sich überlegt und will nun zu den anderen Nachbarn. Ich wieder nach vorne. Rückwärts. Nach vorne. Rückwärts. Ein gutes Dutzend Versuche später sagt Paul: "Wart mal, ich mach den Hänger ab und schieb ihn rein, bevor wir hier Weihnachten noch durch die Gegend cruisen." Ich: "Nich dein Ernst?" Paul grinst: "Erstklassige Unterhaltung. Ehrlich." Grrr... 

 

 

 

05.12.2015 

"Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch." (Zitat aus: 'Lasst euch die Kindheit nicht austreiben', Erich Kästner)Samstag vormittag gegen 10 Uhr fahre ich mit Hanna einkaufen. Ich angepasst in Erwachsenenkleidung und mein kleines Mädchen im blauen, flauschigen Hasenkostüm, auf das sie heut früh beim Anziehen bestand. Eine Jacke lässt sie sich nach langen Diskussionen überziehen. Und so trottet sie an meiner Hand über den Supermarktparkplatz. Oben wippen sie Schlappohren und hinten wackelt das Stummelschwänzchen bei jedem Schritt. Ein zuckersüßer Anblick. Für mich. Jeder andere schaut verwundert oder gar pikiert. Kindheit scheint nicht in ihr Weltbild zu passen. Kinder haben geschniegelt und schweigend an der Hand ihrer Eltern zu gehen oder am besten gleich zu Hause zu bleiben. Schließlich ist es im Supermarkt schon voll genug. Da mag man nicht noch über diese laufenden Meter stolpern...Was ist das für eine traurige Welt? Haben sie denn alle vergessen, wie bunt und unbeschwert ihre Kindheit war? Sehnt sich nicht ein Jeder insgeheim danach zurück? Klar, im Stress des Alltags verliere auch ich immer mal den Zauber und die Ruhe. Aber ansonsten bleibe ich geduldig neben ihnen stehen, wenn sie durch Pfützen laufen. Ich renne mit ihnen durch die Kitaflure, wenn "Mama mach mit" ihr Wunsch ist. Ich albere, mache Faxen, werfe Blätter in die Luft und schmeiße mich auf Laubhaufen. Ich schlecke den Schnee von Hand, schaue in den Himmel, wenn es regnet und kichere mit ihnen, wenn das Gesicht dabei nass wird und suche zusammen mit ihnen im Dunkeln nach dem Mond, den Sternen und den Flugzeugen. Klar, ich bin die Mama und in gewisser Weise ist das "meine Aufgabe". Und dennoch macht es mich betrübt, wie - nach obigem Zitat - unmenschlich die Welt geworden ist. Nicht mal jeder Zweite grüßt, wenn die Kinder "Hallo" zu jedem Passanten sagen. Davon bricht ihnen doch kein Zacken aus der Krone. Ich werde alles daran setzen, die Welt meiner Kinder bunt und fröhlich und magisch und freundlich zu machen. Sie sollen jeden Augenblick ihrer Kindheit genießen und ich hoffe, sie werden sie nie vergessen und immer ein Stück weit Kind bleiben. So wie ihre Mama. 

 

 

27.11.2015 

Shapeware. Für die, die es nicht kennen: Miederware. Also Speck-weg-Wäsche. Ich, meineszeichens Moppelchen, hab mir also so eine Zauberhose gekauft. Ich hol das Ding aus der Verpackung. Paul: "Für die Kinder?" Kann ich ihm nicht verübeln. Das Ding sieht aus wie ne Caprihose Größe 32. Ungelogen. Von dieser Kleidergröße trennen mich Welten. Ich guck auf das Wäschezeichen. Meine Größe isses aber. Puuuh. Also auf in den Kampf. Ein Fuß rein. Verschnaufen. Hochzotteln bis zum Knie. Paul verlässt rückwärts das Zimmer. Ich: "Watt nu?" Er schließt die Glastür: "Sicherheitsglas. Falls das Ding auseinandersprengt." Ich: "Aber zugucken willste, wa?" Zweiter Fuß. Zweite Wade. Ich plumpse zu Boden. Weiter geht's. Der Herr traut sich die Tür zu öffnen: "Wenn de ditt jeden Tag machst, haste in 14 Tagen zehn Kilo runter." Ignoriervorgang wird eingeleitet. Ich zerre das Ding weiter hoch. Stelle mich hin. Bund über das Bäuchlein. Der Schritt der Hose hängt noch in den Knien. Also zuppel ich weiter. Und keuche. Und zuppel. Und keuche. Richte mich auf: "Na, wie Heidi Klum, wa?" Er macht große Augen und zieht die Brauen hoch. Wohl eher nicht Heidi Klum. Ich watschel zum Spiegel. Mmh. Cellulite is weg. Ich dreh mich zur Seite. Mmh. "Kompakter, mmh?" Er: "Kannst du rennen?" Ich: "Ja, wie n Pinguin." Er nutzt seinen Vorteil: "Ja. Kompakt. Wie ne halbe Tonne Pudding im Seesack." Ich: "Aber schmeißen kann ich" und pfeffer ihm einen Kinderschuh (Dank unserem Ordnungssystem ist Wurfmunition überall in Reichweite.) entgegen. Er krümmt sich. Lacht: "Knapp, Fräulein!" Schließt aber wieder die Tür: "Pummelfee!" - "Schisser!" - "Presswurst" - "Gemein!!!" Er öffnet die Tür, kommt zu mir, guckt mich mit verschmitztem Dackelblick an: "Ick lieb dich trotzdem." - "Ja?" - "Naja, man gewöhnt sich an allet... au... aua... autsch..." Tja, er hatte Kneif-Reichweite erreicht. "Und an den Flecktarn, den ich dir verpasse, wirste dich auch gewöhnen." - "Bist ne Hübsche... aua... ehrlich... autsch... meine hübsche..." Ich halte inne. Er kommt langsam zu Atem: "... meine hübsche Presswurst." 

 

 

25.11.2015 

Statt wieder ins Bett zu trotten und endlich einzuschlafen, stehe ich an Nickys Bett. Sie murrte und jammerte, weil die Nase zu ist, hat nun Tropfen bekommen und beruhigt sich grad. Und ich schau ihr dabei zu...Ich könnt ewig zuschauen... Da liegt mein Würmchen in ihrem Bettchen. Zurechtgeknülltes Kissen unterm Kopf. Warme kuschelige Bettdecke bis zur Brust. Ein Ärmchen um ihre Puppi geschlungen, das andere überm Kopf abgelegt. Die Stirn ist noch ein wenig in Falten gezogen. Aber sie beruhigt sich mehr und mehr. Ich streichel sanft über ihre warme, weiche Wange. Die letzten Falten verschwinden. Entspannung. Das Schnäbelchen geht auf und ein zartes Schnarchen beginnt. Mein Baby ist im Schlummerland... Und ich kann mich nicht sattsehen. Ihr süßes Näschen. Die langen Wimpern. Die kleinen Hände. Die dürren Ärmchen. Mein Spatz in ihrem Nestchen... Und mich durchflutet eine Glückseligkeit. Wärme. Zufriedenheit. Dies kleine Menschlein. Unbeschreiblich. Ich fühle die Verantwortung, fühle mich als Beschützer. Fühle die Ehre, sie an meiner Hand in ihr Leben begleiten zu dürfen. Fühle Unzertrennlichkeit... Alles rundrum, rund um meine drei Lieblinge und meinen Mann, wird verschwommen. Ist nicht wichtig. Nur das hier ist echt. Nur das hier zählt. Liebe. Zusammengehörigkeit. Geborgenheit... Mein süßes Mädchen, ihre zauberhaften Schwestern in den Bettchen neben ihr, mein Mann in der Tür. Die Welt ist nur so groß wie dieses Zimmerchen. 

 

 

24.11.15 

Was für eine Nacht...Mein viertes Kind (männlich, 1,82 m, spielt n ganzen Tag im LKW und schläft nachts neben mir) hat ne Erkältung. Liegt also quasi im Sterben. Die einzige Tageszeit, zu der er nicht jammert, ist nachts. Klasse. Wenn doch nur seine Nase frei wäre. Es is als ob jemand einen Elektrorasenmäher direkt neben meinem Ohr an macht. Das Bett wackelt, die Katze zittert, in der Vitrine klappert das Glas und ich höre, wie draußen an der Hauswand die Dämmung abbröckelt. Ja, er schreckt sogar selbst davon hoch. Grummelt aber nur und schläft gleich wieder ein. Ich schupse, stupse, klopfe, kraule, huste auffallend laut, pickse - nix hilft. Es bringt das monotone Grunzen nur kurz durcheinander. Also zerre ich an ihm, geb ihm noch ein Kissen und sag ihm, er soll es noch unter den Kopf legen. Theoretisch nimmt das Schnarchen etwas ab, wenn der Kopf höher gelagert wird. Praktisch aber legt er das Ding unter den Nacken, übersteckt damit den Hals und das Kinn liegt höher als die Nasenspitze. Klasse. Der Rasenmäher wird zum Traktor und die Leitungen bei der Polizei glühen wegen Anzeigen einer Lärmbelästigung. Mir jedenfalls reicht es. Ich schnapp mir Decke, Babyphone und Handy (in dem mein Wecker wohnt) und geh runter auf die Couch. Auf der Treppe muss ich vorsichtig eine Stufe übergehen, auf der ein Mosaik frisch aufgebracht ist. Wie ein neugeborenes Fohlen tänzel ich um die Stufe. Anschließend schupse ich mit der Decke noch eine Tischlampe um, sammle die Scherben im Halbschlaf auf. Vorsichtig, denn ich kann Hausschuhe nich leiden und tapse barfuß durch's Haus. Und endlich erreiche ich das Sofa. Eins zum Sitzen, nich zum Lümmeln. Also geringe Sitztiefe. Für meinen breiten Hintern echt beschissen. Aber was soll's, ich hau mich hin und schlafe relativ schnell wieder ein. Bis das Babyphone brüllt. Ich vermute, mein Göttergatte hört es eh nich und sprinte nach oben. Ich hoffe, nicht in übersehene Glassplitter zu latschen und hüpfe Nilpferdgleich über die Stufe. Kaum öffne ich die Tür, muss ich feststellen, dass er doch wach wurde und Nina nur ihren Hasi gesucht hat. Wie ein Zombie latsche ich wieder nach unten, hau mich hin und schlafe ein. Irgendwann steht mein Rasenmäher neben mir und fragt, was los is. Ich so: "Wald abgesägt... du... heut nacht... hast." Er so: "Warum hast'n kein Oropax genommen? Liegen doch zwei Schachteln an deinem Bett." Und ich krame mein ganzes Schimpfwort-Repertoire raus. Jetz kann ich ihm verdammtnochmal noch nich mal die Schuld geben. Dabei hab ich mich die ganze Nacht auf sein schuldbewusstes Gesicht gefreut. Manno... 

 

 

 

06.11.2015 

5:41 Uhr 

Mal wieder das Babyphone während ich am Küchentisch frühstücke... 

Nicky: "Jetzt kommt die Polizei." 

Hanna macht die Sirene. "Uuuiiiiii. Uuuiiiiii. Uuuiiiiii." 

Ich sehe durch die Kamera Nina mit den Armen wedeln und höre leises Murmeln und dann etwas lauter: "Hex Hex!... Hex Hex!" (Offenbar ein bissl viel "Bibi und Tina" in letzter Zeit.) 

Nicky: "Polizeeei. Polizeeei. Polizeeei" 

Hanna: "Uuuiiiiii. Uuuiiiiii. Uuuiiiiii." 

Nina: "Murmel murmel... Hex hex!" 

Was zaubert sie da bloß? Ein blau-weißes Auto? Ich seh jedenfalls keins. 

Nicky: "Anna bist du mein Freund?" 

Hanna: "Nein!" 

Nicky brüllt : "Na gut. Eene Meene Muh, raus bist du, hex hex." 

Nina: "Murmel murmel... Hex hex!" 

Nicky: "Mamaaa!" 

Hanna: "Mama schläft." 

Ich lächel verbittert in mich hinein. 

Nicky: "MAAAAMMMMMMAAAAAA!... Mama schläft nicht" 

Nina: "LEISEEE SEEEIN!!!!" 

Aha, das hat sie versucht zu hexen. 

Nicky: "Das sag ich meine Mama!" 

Hanna: "Und mein Papa!" 

Nicky: "Polizeeei. Polizeeei. POLIZEEEI!" 

Hanna: "Uuuiiiiii. Uuuiiiiii." 

Mama durchs Babyphone: "Eene Meene Meise, ihr seid jetzt alle leise. Hex Hex!" 

Stille. 

Nicht lange. 

Ich also: "Gleich kommt die Polizei." 

Stille. 

Die Sirenen legen wieder los. 

Ich also weiter: "Das sag ich dem Weihnachtsmann!" 

Stille. 

Nicky: "Na gut." 

Hanna: "Bin lieb." 

Nina: "Hab dich lieb Mama." 

 

 

27.10.2015 

5:39 Uhr im Kinderzimmer: 

Nicky: "La la laaa." 

Hanna grummelt. 

Nicky: "La la laaa." 

Hanna: "Leise sein!" 

Nicky: "Manno" 

Stille. 

Nicky: "La la laaa." 

Hanna: "La la laaa." 

Nicky: "Leise sein!" 

Hanna: "La la laaa." 

Nicky: "Das sag ich mein Papa." 

Stille. 

Mama durch die Babyphone-Sprechanlage: "Petze!" 

Hanna und Vicky im Chor: "Leise sein!" 

 

 

 

17.10.2015 

Nicky sieht Papas Handytasche... 

Nicky: "Warum is das zu?" 

Ich: "Damit das Telefon nicht raus fällt." 

Nicky: "Warum?" 

Ich: "Na weil es dann kaputt geht." 

Nicky: "Warum?" 

Ich: "Na weil da so viel Technik drin ist." 

Nicky: "Warum?" 

Ich: "Na weil man da so viel mit machen kann." 

Nicky: "Warum?" 

Ich: "Damit man nicht so viel mitnehmen muss." 

Nicky: "Warum?" 

Ich: "Weil die Hosentaschen nicht groß genug sind." 

Nicky: "Warum?" 

Ich: "Na weil die Hosen sonst runterrutschen." 

Nicky: "Warum?" 

Ich: "Äh, wegen der Schwerkraft." 

Und dann ging sie zum Glück weiterspielen und ich atmete erleichtert durch. 

 

 

 

04.04.15 --- Ostern 

Auweia auweia - morgens, mittags, abends Eier... Und was hat man davon? Blähungen. Aber keine normalen Winde; Eierpüpse stinken wie so richtig große Haufen. Also kein Wunder, wenn man lieber nochmal in die Hose schaut, ob da bei dem Gestank nicht doch noch mehr als nur heiße Luft kam. Seit zwei Tagen hängen wir ihnen also quasi den ganzen Tag am Hintern. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Nicky gleich aufgeregt zu Papas Heck rennt, als er beim Zubettbringen vor Annas Bett ähm, sagen wir mal einen Druckausgleich durchführt. Und da steht die kleine Dame aufgeregt hinter ihm, zupft an seiner Hose, guckt kurz und sagt: "Papa puuupt!" Dann geht sie nach vorn, legt ihm die Hand auf die Schulter und fragt: "Alles gut, Papa?" Er muss sich ein Lachn verkneifen und sagt: "Jetzt ja" 

 

 

 

29.03.15 

Um kurz nach halb sieben (Am Wochenende der Zeitumstellung - also tatsächlich kurz nach halb sechs.) am Sonntag brüllt es von nebenan "MAMAAA!!!" und "PAPAAA!!!" und als ich den Kopf hebe, sehe ich die drei Frühaufsteher an der Tür zu unserem Schlafzimmer stehen und um Einlass bitten. Naja, 'bitten' is Wunschdenken. Sie fordern lauuutstark ihr Kuschelrecht ein. Träge wälzt sich Paul aus dem Bett und schlürft zu ihnen. Die Zimmertür haben sie weit aufgestoßen und stehen nun hinter der kleinen Sicherheitstür, die sie vor allem von der Treppe fern halten soll. Kaum ist sie auf, wird unser Bett gestürmt. Sie legen sich nebeneinander zwischen uns (Ein 180er Bett kann sooo klein sein.) und kuscheln ein Weilchen still und brav mit uns und -einander. Dann wird es rege. Sie fangen an zu drängeln und langweilen sich sichtlich. Also kraxelt irgendwann Eine nach der Anderen aus dem Bett und macht sich an der Spielküche, die hier lagert, weil sie im Esszimmer bei ihrem übrigen Spielzeug keinen Platz findet, zu schaffen. Es entsteht ein hektisches Treiben. Mama: "So emsig wie sie sind, is das Frühstück bald fertig." Papa grummelt zustimmend. Und richtig, schon kommt die erste drei-Sterne-Maus mit Schüssel und Suppenkelle. "Mama kosten?" - "Au ja, holst du Mama einen Teller und einen Löffel?" Kurze Zeit später kommt sie und reicht mir einen Teller und einen Kochlöffel. Ich nehme ihr außerdem die Suppenkelle ab und fülle mir aus ihrer Schüssel auf. Eine Kelle voll gewährt sie. Bei der zweiten murrt sie entschieden, reißt mir alles aus den Händen und zieht ab. Dann scheppert es. Und schon kommt sie zurück und erzählt mir ganz aufgeregt, dass Hanna die Tasche mit dem Küchenspielzeug ausgekippt hat. "Hab ich gehört, Nicky.", sag ich, "Du bist eine Petze, nicht wahr?" - "Nein Mama!", und weg isse wieder. Ich lass mich zurück in die Kissen sinken und kann es nicht fassen, als ich Paul schnarchen höre. Wie kann er bei der Lautstärke schlafen? Ich verdrehe die Augen, taste nach meinen Oropax, stopfe mir wenigstens einen rein und drücke mein anderes Ohr in die Kissen. Und tatsächlich - ich nicke ein wenig ein. Irgendwann werd ich von einem energischen, fast wütendem "Mamaaa!!!" wach. Ich öffne die Augen und schon presst mir Nina einen Löffel ins Gesicht: "Mama kosten!". Ich tue wie mir geheißen, lobe und weg is sie. Aber als ich mich aufrichten will, maulen mich Nicky und Hanna an: "Nein, Mama!!!" 'Ok', denk ich mir, 'dann gute Nacht'. Ich parke den Kopf aufm Kissen und will meine Decke zurecht zupfen, als Paul mir energisch ein "Nicht bewegen!" zuraunt. Panisch denke ich an ein achtbeiniges Horrorvieh, eine Kobra oder einen Tiger. "Du liegst auf ihrem Esstisch und der is reichlich gedeckt. Alles voll mit Geschirr und Holzgemüse." Tja, dann muss ich wohl oder übel liegen bleiben. Ach wie schrecklich. Aber nein, nichts ist hier von Dauer. "Frühstück, Mama!", plärrt es. "Nina hat gekackert", petzt es. "Mama aufstehen!", befielt es und zieht an der Decke. Es scheppert. "Mama Kaffee!", trällert Nicky. "Na aber sicher doch. Und dann bist du bis Ostern wach, oder was? Vergiss es!" Wir rollen uns also aus den Decken, beseitigen das Chaos und tappeln die Treppe runter. Papa zieht die Schnecken um, Mama geht schnurstracks zum Herd. Pancakes. Der Teig ist schnell gemacht und Kelle für Kelle brutzelt in der Pfanne. Da kommt die drei-Sterne-Maus von vorhin und fordert lautstark: "Nicky kosten!!!" - "Nö, Mama durfte auch nicht kosten!" - "Is ekelhaft!", schmettert sie mir entgegen. Ich reiße die Augen auf, stecke ihr ein Stück Pancake in den Mund und sie grinst überlegen. "Und? Ekelhaft?" - "Kann man essen."... 

 

 

 

28.03.15 

Wenn man die Kinder mit Anfeuern und Loben dazu ermuntert, in ihre kleinen Töpfchen zu machen, isses natürlich hochinteressant, was Mama und Papa auf ihrem großen Topf fabrizieren. Und so komm es, dass ich das erste Mal seit ca. 30 Jahren für's "Geschäftliche" gelobt werde. Befremdlich, aber putzig. Bei Papa wird sogar geklatscht... 

 

 

 

19.03.15 

Nach Hause kommen... Erschöpft. Körperlich. Geistig... Die Tür hinter mir schließen. Ein wenig aufatmen... Dann kommt mein Mann um die Ecke. Genauso erschöpft lächelt er mich matt an. Wir gehen aufeinander zu, blicken uns an und verstehen uns blind. Ich schmiege meine Wange an seine, zeichne mit den Fingern seinen Kiefer nach, schließe die Augen, fahre durch seine Haare, atme seinen Duft. Atme aus. Atme auf. Er nimmt mich in seine Arme, ich kuschel meinen Kopf an seine Brust. Alle Anspannung fällt von mir ab. Stumme Tränen kullern. Warum, weiß ich gar nicht so genau. Ich denke, der Alltagsstress, den man mit allen Mitteln meist erfolgreich versucht zu unterdrücken, holt mich ein. Ich vergrabe das Gesicht in seinem Pulli. Er hält mich fester. Er muss gar nichts sagen. Nur bei mir sein... Mein Fels in der Brandung... Mein Ein und Alles... Was wär ich ohne meinen wundervollen Mann?... Manchmal ist dieses große Wort "Liebe" viel zu klein um diese Magie zu beschreiben... 

 

 

 

16.03.15 

Jede zweite Woche habe ich das Vergnügen, die Kinder zusammen mit Paul abzuholen. - An den anderen Tagen mache ich das mit meiner Mutter oder sie mit Paul oder sie mit meinen Schwiegereltern. - Und es ist jedes mal ein Erlebnis... Wir machen uns also auf den Weg zur Kita. Wie immer fahre ich, denn Paul motzt mir zu viel rum. Kein Scherz. Wenn er fährt, wird nur rumgenörgelt. Das liegt schlichtweg am Auto. Es is ein (Frauenbeschreibung riesiger Kasten mit neun Sitzen und vier Rädern drunter. Er gehört meinen Eltern. Ihr altes Auto hatte die Hufe hochgerissen und so haben sie sich vor ein paar Monaten dieses Monster gekauft, um uns beim Transport der Kids unter die Arme zu greifen, wohlweislich, dass ein neues, wenn auch gebrauchtes Auto für uns selbst in weiter Ferne ist. Und so teilen wir uns das Schiff. Allein schon die Marke schmeckt Paul nicht und so findet er an allen Ecken und Enden etwas zu meckern. Und aus Angst, das Karma rächt sich, wenn er am Steuer sitzt und alle erdenklichen Synonyme von "Scheißkarre" runterbetet, fahre ich. So einfach ist das. Mein Aberglaube ist eben unerschütterlich... Wir kommen an. Parkplatz voll. Also naja, voll ist relativ. Es stehen 5 Autos in ungefähr 25 Parktaschen. 10 davon scheiden ohnehin aus, weil die Kids dann zu weit und vor allem quer über den Parkplatz laufen müssen und mich jeder Meter, den ich ihnen hinterherjagen muss, Lebensjahre kostet. Auf den übrigen 15 Parkplätzen stehen die 5 Autos so verteilt, dass ich mit dem Koloss nicht einparken kann. Die Betonung liegt auf "ich". Denn ich bin ne Niete im Einparken. Also ist der Parkplatz faktisch voll. Aber ich hab zum Glück eine Einparkhilfe. Sie ist 38 Jahre alt, hat einen LKW-Führerschein und hört auf den Namen "Paul". Er lotst mich sicher in die Parklücke und da wären wir. Hand in Hand laufen wir beschwingten Schrittes zur Kita. Kaum sehen uns die kleinen Biester, stürmen sie auf uns zu und rufen "Papa" und "Papa" und "Papa". Ja, Mutter sein kann so ein undankbarer Job sein. Aber kaum haben sie Papa erreicht, flitzen sie an uns vorbei in den Flur. Und schon sind sie im nächsten. Und im nächsten. Und dort holen wir sie ein. Denn dort gibt's Spielzeug. Jeeede Menge Spielzeug. Jede Menge hochinteressantes Morgen-isses-vielleicht-nicht-mehr-da-Spielzeug. Es is natürlich praktisch, dass sie sich einige Zeit freiwillig auf ein paar Quadratmetern aufhalten, ohne die Gefahr, erneut auszubüchsen. Aber Jacken, Mützen und Schuhe ziehen sich nicht von allein an. Also werden alle Register gezogen: Lieb säuseln, bestimmt gebieten, schimpfen, ignorieren und weitergehen. Nix hilft. Ich nehme sie also bei der Hand. Pah! Als wenn das irgendwelche "Oh, jetzt brav sein!"-Schalter umlegt. Nix da. Sie machen sich weich wie Pudding. Statt nebenher laufen, lassen sie sich hinterherschleifen. Nich mit Mama. Dann eben hoch und über die rechte Schulter geschwungen. Eine Maus ist also eingefangen. Die zweite klemme ich mir kurzerhand unter den linken Arm. Tja, und nun wohin mit der dritten? Ah, da war ja noch was - der Papa ist ja heut dabei. Er ist bei ihr - Nicky - und säuselt auf sie ein, sie möge doch bitte mitkommen. "Möchtest du nicht mitkommen mit Mami und Papi?" - "Nein!" - "Dann gehen Mami und Papi ganz allein mit Nina und Hanna nach Hause!" - "Nein!" (Oh, und man stelle sich diese kleine Dame dazu vor. Mit rotem, vor Wut zerknautschtem Gesicht spuckt sie ihm das Wort krächzend entgegen. Hin und wieder kombiniert mit einem Fußaufstampfen.) - "Doch, du musst dann hier bleiben und..." und schon is sie wieder weg zum Spielen. Is klar. Sie will hier bleiben und Papa droht, wenn sie nicht mitkommt, muss sie hier bleiben. Netter Versuch. Dutzende weitere Versuche später haben wir die Damen endlich aus dem Haus buchsiert. Mamas Mantel ist leichter, weil der Inhalt der Taschen als Lockmittel diente. Nina hockt heulend inna Ecke - Mamas Büroschlüssel wirkt Wunder. Nicky will ein Spielzeug nicht abgeben - Mamas Hausschlüssel müssen dran glauben. Hanna bockt, weil sie keinen Schlüssel kriegt - Mama hat noch ihre eigenen Autoschlüssel dabei. Und endlich endlich erreichen wir das Auto. Nicky stürmt in die zweite Reihe, was für die Kinder das Nonplusultra ist, denn weiter nach vorne kommen sie nicht. Und in der zweiten Reihe sitzt sie allein. In der Mitte. Keiner neben ihr. Freie Sicht nach vorne. Herrlich. "Mama, Hause fahren!", nörgelt sie schon. Ach nee, was isses denn, was ich seit ner halben Ewigkeit versuche? Grrr. Hanna is währenddessen auf den Fahrersitz geklettert, spielt an den Hebeln, rüttelt ungeduldig am Lenkrad, fummelt am Radio rum, quietscht vor Freude, als es plötzlich angeht, stellt sich wieder auf den Sitz und schmeißt sich aufs Lenkrad. Der ideale Winkel für nen Blick auf die Ablagefächer. Au weia, was da alles schönes rumliegt. All der Kram, den die Kids morgens im Auto lassen müssen. Und sie entdeckt jedes Teil, als hätte sie es noch nie gesehen. Ein kleines weißes Spielzeugmotorad "Oh!", ein rotes Puppenhaarband "Oh!", ein Osterei mit Schleifchen "Oh!", ein Holzauto, eine Parkscheibe, noch eine Parkscheibe und und und. Paul trägt Nina währenddessen zur hinteren Reihe. Endlich. Denn er musste ihr unterwegs erklären, dass man das Pfui nicht aufhebt. Dann musste er ihr erklären, dass man das Pfui wieder wegschmeißen soll. Dann musste er ihr erklären, dass er mit "weg" den Boden und nicht die Jackentasche meint und schlussendlich musste er ihr erklären, warum man das Pfui nicht nochmal aufheben und Papa zur Weißglut treiben darf. Das Pfui war übrigens eine kleine leere Gummibärentüte. Kann man ihr das verdenken? Paul schnallt sie nun endlich an. Dann schleicht er sich zur Fahrertür, reißt sie auf, schnappt sich eine vor Überraschung und Übermut quietschende Hanna und verfrachtet auch sie ins Auto. Ich lasse mich seufzend auf den Fahrersitz plumpsen. Paul setzt sich neben Nicky in die zweite Reihe, schließt die Tür und befiehlt: "Hopp nach Hause!" - "Erst anschnallen!", geb ich zurück. "Na die 114 PS werden mich schon nicht vom Hocker reißen." Mir juckt der rechte Fuß und ich denke kurz über "Wer nicht hören will..." nach, verwerfe den Gedanken aber wieder. Der Winkel ist schlichtweg ungünstig um ein einigermaßen vorzeigbares Ergebnis für YouTube zu erzielen. Wir fahren die paar Straßen nach Hause und unterwegs erklärt der weltbeste Papa den Mädels, was es nicht alles zu sehen gibt: "Guckt mal, ein Hund... Naja, eher ne Ratte..." - "Wau wau!!!" - "Oh da, guckt mal, der Bus!" - "Busssss!!!" - "Guckt mal, ein kleiner LKW... Papa hat einen viel größeren..." - "Papa Müllauto" - "Ja, Papa fährt Müllauto." Und so geht's weiter, bis ins Carport. Mama macht die Zündung aus und erklärt mit gestellt weinerlichem Ton: "Damals, als wir uns noch geliebt haben, konntest du gar nicht nah genug bei mir sitzen. Jetzt ist dir das große Auto grade recht um so weit wie möglich weg zu sitzen." Paul prustet los: "Ach du scheiße!" Und Nicky: "Scheiße!" Und Paul schimpft: "Das gibt's doch gar nicht..." und versucht das Übel zu mildern: "...Kacke!... Kaaacke!" Ich hüpfe aus dem Auto und beobachte schadenfroh, wie er versucht, in ihrem Köpfchen ein Schimpfwort durch ein Schimpfwort zu ersetzen. Nach und nach hebt er die Mäuse aus dem Auto. Und natürlich sind sie gleich in alle Richtungen auf und davon. Nicky versucht ein herabgefallenes Osterei wieder an den Forsythien-Strauch zu hängen, Hanna stürmt das Hoftor in der Hoffnung, Opa wartet wie immer auf sie und Nina rennt zum Deko-Maulwurf und macht ihn zur Sau. Echt - sie motzt ihn richtig an. Und es muss was Schlimmes gewesen sein, was er angestellt hat, denn Hanna kehrt zurück und motzt mit. Da kommt Nicky angerannt, wetzt an uns vorbei, ruft was von wegen "essen" und klettert die Treppe hoch. Offenbar hat Paul wieder nur Pfui in die Vesper-Dosen gemacht, denn sie scheinen alle Hunger zu haben. Nina und Hanna lassen endlich vom Maulwurf ab und ich könnt schwören, ein erleichtertes Seufzen gehört zu haben. Kurze Zeit später schließt sich endlich die Haustür hinter mir und ich höre den Gong. Die Runde ist vorbei. Kurz verschnaufen, dann Runde zwei. Küche. Abendbrot. Ein weiteres Abenteuer nimmt seinen Lauf... 

 

 

 

12.03.15 
"Das is jetzt aber eine Impulsreaktion!", sagt man mir. Man prophezeit mir, wenn ich jetzt aus einem Impuls heraus absage, würde ich mich eine Stunde vorher sowieso wieder umentscheiden und trotzdem mitgehen. Ist "Impuls" hier ein Synonym für "zickig" oder "trotzig"?. Das erinnert mich an den Spruch 'Ich bin nicht zickig, ich bin emotional flexibel.'. Jawohl! Und ich bin sogar so impulsiv, dass ich gar nicht bis kurz vor Peng warten muss, sondern mich noch in dieser Stunde umentscheiden kann...  

Worum geht es eigentlich?  

Ich gehöre zu den Menschen, die das Glück haben, gern zur Arbeit zu gehen und sich im Kollegium wohl zu fühlen. Wir sind rund 20 Kollegen, darunter nur vier Männer, inklusive dem einen mit der diplomatischen Wortwahl. Und wo viele Frauen sind, wird hier und da mal gezickt - oh nein, es wird impulsiv reagiert. Ansonsten isses eine tolle zwischenmenschliche Atmosphäre. Und so unternimmt man auch mal privat etwas miteinander. Mal in Grüppchen, mal die komplette Belegschaft, so wie auch in Kürze zur Verabschiedung einer langjährigen Mitarbeiterin. Bowlen. Bowlen is so ein Sport, mit dem ich nicht wirklich warm werde. (Als wenn das irgendeine andere Sportart von sich sagen könnte.) Größtenteils, weil ich's nicht kann, aber auch, weil es sich jedesmal, wenn man an der Reihe ist, wie der Gang zum Schafott anfühlt. Oder positiv formuliert, wie der Gang zur Bühne. Und dann steh ich Amateur da an der Kugelförderband- Endstation, oder wie das Ding heißt, und suche mir ne Kugel aus. Nach welchen Kriterien man das machen sollte, hat mir nie einer erklärt, also such ich mir die Dinger nach Farben aus. Dann trotte ich mit fremden Schuhen (Auch ein Thema für sich - nach nem langen Arbeitstag wechseln 20 Leute in aller Öffentlichkeit und vermutlich dicht aneinander gedrängt ihre Schuhe. Also ich möchte mal unterstellen, dass keiner der 40 Füße nach Jasmin, Lavendel oder Rosen duftet...) mit der rosa oder lila Kugel noch vorne. Gefühlt liegen alle Blicke auf mir. Und dann isses wie im Film, auf meinen Schultern ploppen ein kleines, naives, gutmütiges Engelchen und ein fettes, fieses, bösartiges Teufelchen auf. Das Teufelchen sagt: "Die glotzen alle auf deinen fetten Arsch. ALLE!" Das Engelchen sagt: "Nein nein! Mäuschen, die unterhalten sich. Und die paar, die gucken, drücken dir die Daumen." Scheiß auf die beiden, je mehr ich mit ihnen streite, desto länger brauche ich, bis ich mich wieder unbeobachtet in mein Eckchen setzen kann... 

Das also ist meine Grundeinstellung zum Bowlen. Und dann setzen sie noch eins drauf: das Ganze soll am Arsch der Welt (relativ gesehen - denn mitten in Berlin is für die kleine Orientierungsniete aus der Vorstadt gleichzusetzen mit dem Arsch der Welt) stattfinden und man könne ja mit der Bahn fahren. Ähm - Bahn? Ähm - Nö! Paul würde jetzt sagen: "Wenn ich's nicht selbst fahren kann, steig ich nicht ein." Etwas Anderes als meinen kleinen Kleinstwagen zu fahren, traue ich mir ohnehin nicht zu, aber den Rest der Einstellung teile ich. Ich kann dem nicht nur nichts abgewinnen, ich habe eine echte Abneigung gegen Bahnfahren. Zum Einen kommt die Bahn nicht zu mir und holt mich ab, nein, ich muss da erstmal hinlatschen, meist sogar Treppen erklimmen. Und ich hab, und jeder der mich kennt kann es bestätigen, keinen großen Bewegungsdrang. Im Gegenteil, ich bin Sitzprofi. Zum Anderen - diese ganzen fremden Menschen und ihre Ausdünstungen, baaah! Und es is ja nich so, dass man zwei oder drei von denen am anderen Ende des Wagons sitzen sieht, nein, sie kleben einem ja förmlich am Arsch. Man kann nicht wegsehen, nicht weghören und nicht wegriechen. Man is denen schutzlos ausgeliefert. Diesen Kreaturen. Was sich da rumtreibt. Und ja, ich kann das beurteilen; ich bin jahrelang täglich Bahn in Berlin gefahren. Für mich als Landpommeranze ein kompletter Kulturschock. Was sich da alles rumtreibt. Omas mit lila Haaren, wahrscheinlich passend zur Bowlingkugel. Anzugträger mit Notebooks, die sich geben, als wären sie Dreh- und Angelpunkt der Welt, dabei haben se keene Ferrari-Schlüssel inna Hosentasche, sondern ne lumpige Monatsfahrkarte. Typen mit Dreadlocks - bei den Einen gewollt und gepflegt, bei den Anderen Teil der Lebensphilosophie: "Ich brauche keine Pflegeprodukte. Hatten die vor 10.000 Jahren auch nicht. Das ist wider der Natur. Das erzeugt Krebs." (Na sicher doch. Lieber ranzig stinkend 120 Jahre alt werden. Allein. Nur angewiderte Gesichter um einen herum.) Und dann die Schüler. Massen von Schülern. In allen nur erdenklichen Erscheinungsformen. Die Nerds. Die Klassenclowns. Die Kleinmädchenträume. Die Emos. Die Bitches. Die Mauerblümchen. Schüler können, wenn sie in Massen auftreten angsteinflößend sein. Angst vor der eigenen Altersarmut. Wegen zu niedrigen Renten, wegen leeren Haushaltskassen, wegen zu wenig Steuereinnahmen, wegen zu wenig Steuerzahlern, wegen Unterqualifizierung einer ganzen Generation. Aber gut ich schweife ab. Ich mag also das Bahnfahren nicht...  

Nach langen Hin und Her lass ich mich trotz meiner berechtigten und nicht impulsiv herbeigezauberten Einwände breitschlagen, mitzukommen. Ich mache Feierabend, schmeiße mich in meinen kleinen Kleinstwagen und kriege auf der Heimfahrt Besuch von Engelchen und Teufelchen.  
Teufelchen: "Boa, lass dich nich immer so bequatschen. Die können dich doch mal. ALLE"  
Engelchen: "Nein nein! Das war ganz richtig so. Guck ma, die Kollegin freut sich doch."  
Teufelchen: "Impulsiv hat man dich genannt. Sie finden dich Zickig. ALLE!"  
Engelchen: "Nein nein! Sei ehrlich zu dir, du hättest auch nochmal drüber schlafen können."  
Teufelchen: "Und wie stehste jetz da? Inkonsequent. Lächerlich haste dich gemacht. Lachen werden se über dich. ALLE!"  
Engelchen: "Nein nein! Naja höchstens der Impuls-Typ. Die Kollegin die dabeisaß vielleicht noch. Na und die, mit der du dann telefoniert hast. Ach und die zwei Typen die reinkamen. Und die, die währenddessen über den Flur gelatscht sind und alles gehört haben. Und die..."  

"RUUHHEEE!", schreie ich sie ganz impulsiv an. "Wenn ihr so weiter macht, fahrt ihr mitta Bahn!" Da werden sie ganz kleinlaut, die beiden Flitzpiepen: Das Teufelchen mit seinem Anzug und den Dreadlocks und das Engelchen mit den lila Haaren und der farblich passenden Bowlingkugel. Ja, sehta, wer will schon mitta Bahn fahren... 

 

 

 

10.03.15 

Ein kleines Highlight des Tages: Kids beobachten durch's Babyphone... Sie sind, wie sollte es anders sein, schon seit kurz nach 5 Uhr wach. Mama zum Glück auch, denn das kann echt frustrieren - am Wochenende zum Beispiel. Nett. Fuuurchtbar nett. Jetzt juckt's mich weniger, denn erstens können sie sich ne gute Stunde allein beschäftigen und zweitens ist Paul in seinen Spätschichtwochen morgens "zuständig" und Mama hat genug Zeit für Kaffee und Aufbrezelversuche. Und nu sitz ich bei meinem Kaffee und beobachte. 4 Kameras sind an's Babyphone angeschlossen. Die totale Überwachung. Gerade wenn man die Kids noch spielen lassen will, ein must have. Spielen ist eigentlich zu viel gesagt, denn außer 3 Büchern mit tausendundeinem Kinderlied und 3 Zaubermaltafeln befindet sich nix zum Spielen um Kinderschlafzimmer, denn das ist alles unten im Esszimmer. Also das war es zumindest mal. Jetzt isses eher ein Chaos mit vier Wänden drumrum. Im Schlafzimmer der Kinder stehen die Betten, ein großer Hocker und Mamas Schreibtisch für's "Homeoffice". Und wie auch immer - dass unter dem Schreibtisch die einzige Ecke is, die die Kameras nicht erwischen, wissen sie. Oder es is einfach ein tolles Versteck. Jetzt liegen Nicky und Hanna darunter und brüllen: "Niiiinaaa!". Zuvor der Wachwerd/ -mach- Prozess: Rund zehn Minuten lang brubbelt und knurrt Nicky vor sich hin. Weitere zehn Minuten lang wird sie von Hanna und Nina angeschrien: "Nicky Ruhe!", "Nicky nein! und "Niiickyyyy!!!". Dann kehrt, warum auch immer, für fünf Minuten Ruhe ein. Vielleicht halten sich alle drei gleichzeitig für die Sieger der Schrei-Schlacht. Man weiß es nich. Dann stecken sie so langsam die Köpfe aus den Betten und beginnen anschließend wild darin herumzuhüpfen. Irgendwann wird es im Bett zu langweilig und sie krabbeln raus und besuchen einander und hüpfen durch die anderen Betten. Während sie so durch den Raum schleichen, sehen sie im Babyphone aus wie kleine Geister. Sie stecken ja noch immer in den Schlafsäcken und man sieht die Beinchen nicht tapsen. Sie schweben also quasi durch den immernoch dunklen Raum. Letzteres sorgt im Babyphone durch die Infrarot-Kamera für den letzten Schliff der Spukgeschichte... Mittlerweile sind die Schlafsäcke und teilweise auch die Hosen aus. Bevor die Windeln folgen, wird sich Mama mal einmischen... 

 

 

 

06.03.15 
Alle zwei Wochen gönnen sich Mama und Papa eine Auszeit. Es sind nur zwei Stunden und das Ziel ist jedes Mal das gleiche - ein Restaurant im Nachbarort. Und auch das Gericht ist das gleiche und die Getränke, meist auch der Tisch und die Bedienung ohnehin... Den Stammtisch lassen Mama und Papa aber diesmal links liegen und gehen schnurstracks in den Raucherbereich. Nicht um des lieben Lasters Willen, dass sich Mama so mühsam abgewöhnt hat und dem Papa noch verfallen ist, sondern weil's schlichtweg leerer und ruhiger ist. Viel ruhiger, denn im Gastraum steppt der Bär. Offenbar feiert da jemand sein Wurfjubiläum oder den Führerschein oder den Rentenbeginn, whatever. Jedenfalls mit DJ und allem Drum und Dran. Also schnell durch und ab in den Raucherbereich. Was für eine Wohltat für die Ohren. Und ein schöneres Ambiente isses auch, denn der Raucherbereich befindet sich im Wintergarten des Restaurants mit malerischem Blick auf den dazugehörigen See, in dem Biber, Enten und Schwäne aus dem anliegenden Tierpark schwimmen. Es is traumhaft... Mama und Papa setzen sich also an einen Zweiertisch, Papa schiebt die Deko, Salz, Pfeffer und Aschenbecher beiseite und nimmt Mamas Hände. Und da sitzen sie, wie ein frisch verliebtes Teeniepaar und lösen sich voneinander nur, wenn der Kellner kommt... Aus den Lautsprechern tönt irgendein deutsches Lied und geht Mama auf'n Zünder, denn sie hat nicht viel übrig für deutschen Schnulzenkram. Nun wird's am anderen Ende des Raumes lauter. Drei Männer in Arbeitskluft, vermutlich Montagearbeiter, die im angegliederten Hotel übernachten, unterhalten sich darüber, dass sie von diesem Lied eine bessere Version kennen. Einer zückt das Handy, sucht kurz und lässt dann stolz wie Bolle seine Version erklingen. Ähm, nennen wir es mal "FSK 18" und versuchen es, zu ignorieren. Fällt nicht ganz leicht, aber das Schicksal hilft. Eine andere, lautere und nervigere Melodie legt sich drüber und einer der beiden anderen zückt sein Handy. Natürlich soll die Welt an seinem Leben teilhaben, also wissen Mama und Papa in Kürze, wo sie sich wann und mit wem treffen. Zum Glück müssen sich die Drei sputen und raffen daher ihre sieben Sachen zusammen und weg sind sie. Nu is das peinliche Paar allein und könnte sich über alles mögliche unterhalten, aber wie es so is, sie reden über die Kids. Was kann man gegen Nicky's Trotzphase machen? Wie kriegt man die Brut trocken? "Hab ich dir schon erzählt, wie Nicky und Nina am Dienstag gekuschelt haben?" "Bei *** ist wieder Regenkleidung für die Kids im Angebot gewesen, hast du dran gedacht?" Na, was man sich halt so erzählt, wenn man alle zwei Wochen zwei Stunden Ruhe hat... Der Kellner kommt mit dem Salat. Nich dass Mama oder Papa wild auf Salat wären (würde ihnen rein optisch auch niemand abkaufen), aber er gehört halt zu dem Gericht dazu, und mit Dressing is das Grünzeug ganz passabel. Naja, und nem geschenkten Gaul schaut man nich ins Maul. Kurz nach dem Kellner betreten neue Nebendarsteller die Bühne und setzen sich drei Tische entfernt hin. Mama wirft nen Blick rüber und analysiert. Ein Pärchen. Beide so um die 50 bis 55. Er in Jeans, ehemals weißen Turnschuhen und blau-beigefarbenen Rentierpulli. Knapp 1,65 "groß", mager, zerknitterte, ledrige Haut, Haare oben kurz und hinten lang, so wie es in seiner Blütezeit Mode war. Sie genauso kurz und mager mit blond gefärbtem Haar mit alter Dauerwelle darin, als würde morgen der nächste Friseurtermin anstehen. Dazu eine unmodische, zu groß geratene Brille, die Haut von Nikotin und Solarium gezeichnet und daher ebenso ledrig wie die ihres Begleiters. Sie trägt eine schwarze, leider knallenge Leggins, unter der sich ein Oma-Schlüpper abzeichnet. Darüber braune, halbhohe Stiefel mit Fellbesatz und obenrum einen knallroten Rollkragenpulli mit ner fetten Goldkette als Hingucker. Als wenn ihr Vorbau nicht Hingucker genug wäre, denn sie trägt einen dieser BHs, die den Busen so formen, dass er wie zwei Pyramiden nach vorne zeigt und etwaige Angreifer zu erstechen droht. Wir nennen sie mal Beate und Klaus und machen aus ihnen eine Kneipenwirtin und einen Fernfahrer. Passt wie die Faust auf's Auge und er hört sich auch so an. Als wenn er es nicht gewöhnt ist, dass sich jemand daran stören könnte, zieht er seinen Raucherhustenschleim so stark und geräuschvoll hoch, dass der Rachen vibriert und man das Zäpfchen um Gnade wimmern hört. Sie scheint das nicht zu stören oder sie hat aufgegeben, ihm das abgewöhnen zu wollen. Anders als Mama, die es nicht Leid wird, Papa bei solchen Vergehen immer wütend anzufunkeln. Sie selbst würde sowas niiiie tun und hat ja auch gar nicht die anatomischen Voraussetungen für solche Geräusche. Das ist wie mit dem Schnarchen - nur Männer machen sowas, Frauen ahmen es höchstens zu Vorführungszwecken nach. Am Ende des Ausfluges weiß Papa aber auf jeden Fall, wie nervig dieses markerschütternde Hochziehen sein kann und gelobt Besserung. Weder er noch Mama halten sich für ein Highlight der Gesellschaft, möchten ihren Zuckerpuppen ja aber "nur das Beste" mit auf den Weg geben, falls der Plan aufgeht und sie die Weltherrschaft an sich reißen. So zum Beispiel beherrschen die kleinen Hoheiten schon wunderbar "Bitte" und "Danke" und sind auf dem besten Wege, es langsam in ihren Alltag zu integrieren. Also es lässt sich ein Wille erahnen. Wenn man genau beobachtet und hinhört... Zurück zu Klaus, Beate, Mama und Papa. Letztere haben alles brav aufgegessen und sitzen grad über ihrem doppelten Espresso, als auch Klaus mit seinem Essen fertig wird, sein Bierglas absetzt und - man ahnt es - ein Bäuerchen macht. Zugegeben ein dezentes - zumindest wirkt es so, wenn man ihm ein Weilchen lauschen durfte - aber guuut hörbar. Und es kommt wie es kommen muss: Mama und Papa im Chor: "Mahlzeit!". Kurze peinliche Stille, alle gucken sich an und dann vier Mal breites Grinsen. Klaus prostet Papa zu, Papa entgegnet: "Watt raus muss, muss raus.", Beate setzt einen drauf: "Hätte auch schlimmer kommen können" und Mama stimmt mit ein: "Na, da sind wa ja dankbar.". Man lacht, wendet sich dem Partner zu und Stille tritt ein. Und wieder rettet ein Klingelton die Situation. Beates Handy tönt "Wrecking Ball" und ehe sich Mama, deren Fantasie manchmal zu weit geht, die gute Beate nackig auf einer Abrissbirne vorstellen kann, kommt der Kellner mit der Rechnung. Mama nickt das Trinkgeld ab, Papa zahlt und sie gehen. Auf dem Weg zum Auto tauschen sie vielsagende Blicke nach dem Motto "Bloß weg von diesen Leuten." und "Das geht ja mal gar nicht.". Kaum im Auto kehrt heimelige Atmosphäre ein: "Boa, bin ick vollgefressn.". Es pupst. "Respekt!". "Der war jut, wa?"... Nich nur die Kinder müssen noch viel lernen... 

 

 

22.02.15 
Am Abendbrottisch. Die Kids essen frische Brezeln, Gurke und Banane. Naja, essen ist vielleicht etwas übertrieben. Sie zerrupfen die Brezeln, bohren mit ihren Fingerchen Löcher rein, präsentieren sie wahlweise als Ring oder Armband, knabbern fein säuberlich das Innere aus den Gurken und der Rest geht zusammen mit den Bananenschalen retour zu Mama. Also auf Umwegen. Mama hebt ja auf, was die Kids runterschmeißen. Angeblich sollen sie in der Kita ja prima Tischmanieren haben. Offenbar schluckt der Teppich im Kitaflur diese drei Schlingel, verwahrt sie für den Tag im Keller oder wo auch immer und spuckt völlig andere Kinder in die Gruppen... Aber zurück zum Gelage. Mama macht nebenbei die Brotdosen für den nächsten Tag. Papa bietet seine Hilfe an, also kriegt er die Äpfel und einen Sparschäler in die Hand gedrückt. Nicki: "Papa auch Schlange?". Mama, die sonst die Apfelschale in einem Stück als Schlange runterschält und damit die Attraktion des Abends liefert, sagt: "Papa kann das gar nicht.". Papa lacht müde: "Papa kann das, er hat nur gerade keine Lust dazu!". Leicht angesäuert beginnt er den Apfel in Streifen zu schälen. Scheinbar will er die Kinder mit Tempo statt Kreativität beeindrucken, jedenfalls lässt er das Messer über den Apfel sausen. Plötzlich ein markerschütterndes Bärengebrüll, gefolgt von wilden Flüchen. Nicki war zum Glück zu geschockt um, wie üblich, alles nachzuplappern. Was war passiert? Papa hat sich den Fingernagel halb abgeschält. Mama verdreht die Augen. Papa auch. Er wohl aber eher wegen einer nahenden Ohnmacht auf Grund des Blutverlustes. Mama holt ein feuchtes Tuch, guckt, stutzt: "Blutet ja gar nich...". Papa windet sich vor Schmerzen. Mama: "Willste so'n komisches Fingerkuppenpflaster?". Papa wimmert ein "Ja...". Mama verschwindet im Bad. Papa holt währenddessen alles Mitleid ein, was ihm die kleinen Mädchen bieten können. Ächzend und zitternd hält er ihnen den Finger hin und sie pusten, machen "Oh!" und versuchen drüber zu streichen, was Papa mit schmerzverzehrtem Gesicht und einem scharfen Einatmen quittiert. Mama: "Finger her!". Papa: "Boa, guck ma!". Sieht schon eklig aus. Mama packt das Pflaster aus: "Deine Kuppe is viel zu groß...". Papa stutzt und guckt Mama mit hochgezogenen Augenbrauen an. Mama verdreht die Augen, klebt das Pflaster rauf, setzt sich und geht wieder zur Tagesordnung über. Papa hält den Finger hoch, atmet unregelmäßig und sagt: "Ey, ick bin ja keen Weichei...". Mama lenkt ein: "Ja, is schon ne beschissene Stelle. Puckert dolle, wa? Willste ne Schmerztablette?"; Letzteres nicht ganz ernst gemeint. Papa jedoch: "Haben wa noch Ibu 800?". Mama reißt die Augen auf: "Jetz ironierste aber!". Papa grummelt und schleppt sich zum Medizinschrank. Mama zu den Kids: "Papi is ein Mädchen!". Nicki: "Papi Mädchen!". Papa: "Kriegt euch ein, wir haben eh nur noch 600er... Und du sei mal ganz still - vier Wochen Urlaub wegen nem gebrochenen kleinen Finger. Lächerlich!". Mama entsetzt: "Urlaub? Ick gloobe mir hackt ditt...". Papa: "Naja, hast doch nüscht jemacht...". Mama kocht: "Hätt ick den Garten umgrabn solln?". Papa: "Inna ersten Woche ja. Für die anderen drei hätte ich noch mehr Aufgaben gehabt.". Mama läuft knallrot an: "Wer is'n hier der Mann im Haus?". Papa mit überlegenem Grinsen: "Du! Ich bin nur ein Mädchen.". 

 

 

19.02.15 
Same procedure as every year 

Heut stand SPZ in der Charité Virchow auf'm Plan. Frühchennachsorge. Zweieinhalb Stunden Untersuchung. Noch vor'm Verlassen des Klinikgeländes waren zwei von drei eingepennt. Eine folgte noch vor dem nächsten Abbiegen und letztendlich auch der Papa. Mami is übrigens gefahren (Habt ihr's im Radio gehört? ;-) ) und Onkel Tommi hat hinten bei den Kids gezittert. Leugne nicht, ich hab die Zähne aufeinanderschlagen hören. 

Alle drei topp. Aber wie jedes Jahr wird man demütig...  

Die Flure voll mit anderen kleinen Patienten. Down-Syndrom, Gehbehinderungen, Rollstühle, ein Mädchen sogar in einer Art Liegerollstuhl...  

Wir sind so dankbar, wie gut das Abenteuer "Drillingskugel" ausgegangen ist. Wir haben der Charité Mitte drei zauberhafte und vor allem gesunde Kinder zu verdanken. Sie tobten über die Flure und steckten mit ihrer Fröhlichkeit Große und Kleine an. Sie sind Geschenke des Schicksals und nichts sollte anders sein. So stressig und grenzwertig es oft ist; ich möchte nichts anderes als Drillinge haben. Nicht eins, nicht zwei, nicht drei hintereinander. Sie sind perfekt. Die kleinen Plagegeister... 

Danach noch fix zu Mc D. für ihr erstes Happy Meal. Zum Glück haben wir's mit nach Hause genommen. Was für eine Schweinerei. Wie lernt so ein kleiner Mops, dass man eine Caprisonne nicht unten festhalten sollte? Richtig, durch Erfahrung. Wie prüft man, ob in der Schachtel noch was drin is, wenn man keinen Bock zum gucken hat? Richtig, ausschütten. So ein Küchentisch wird dann leicht mal zu klein, aber egal, da is ja ne Menge Fußboden drumrum. Den Dip kann man übrigens auch trinken. Und als Tischpolitur verwenden. Und als Gesichtsmaske. Und schlussendlich um dem Oberteil ein ganz neues Design zu verpassen. Tatsächlich gegessen hat jede vielleicht ein Nugget und zwei Pommes. Aber sie hatten ne Menge Spaß. Die kleinen Plagegeister... 

 

 

 

14.02.15 
Um 5:21 Uhr kräht es wie ein übereifriger Hahn aus dem Kinderzimmer. 'Die kriegt sich schon wieder ein.', denkt sich Mama, dreht sich um und mummelt sich in die Decke. Nix da - Nikolinchen schreit sich ein. "Mamiii!!!". Klasse! Mama rollt sich aus'm Bett und schleicht zum ach so geliebten Töchterlein. Da hockt es, brüllt, streckt die Arme aus: "Mamiiii!!!". Mama kniet sich neben das Bett und das Scheißerchen wirft sich ihr an den Hals. Au wei, wie kommt die Mama da jetzt wieder raus? Mit ins Bett nehmen geht noch nicht, dann kommen Trick und Track hinterher. Also wieder zum Schlafen bringen. Ein Ding der Unmöglichkeit. Es wird gestreichelt, gesäuselt, auf das Kind eingeredet, aber es hilft nix. Sie will Mama nicht ziehen lassen. Jammert und winselt. 'Das kann Mama auch!', denkt sie sich und startet einen letzten verzweifelten Versuch. Sie jammert und winselt. Nicki verstummt. "Mama?", fragt sie verdutzt. Mama schluchzt und wimmert lauter. Nicki streichelt Mama das Gesicht: "Mama aua?". Mama mit tränenerstickter Stimme: "Mama müde... Darf Mama bitte ins Bett?". Und Töchterchen nickt. Kurz stockt Mama der Atem. Dann denkt sie sich: Nen Versuch isses wert.'. Sie wimmert unterwürfig ein "Danke", täschelt dem Nikolinchen den Kopf und schlürft davon. Kein Laut hinter ihr. Ein Blick ins Babyphone verrät ihr, dass das Mäuschen wohl selbst nicht weiß, was sie Mama da eben gestattet hat. Aber egal. Mama fallen die Augen zu. Der nächste Blick auf den Wecker zeigt 7:36 Uhr... Na, also sowas... 

 

 

03.02.15 
Auf dem Weg von der Kita zum Auto findet Hanna einen Schneeball und hebt ihn auf. Mama: "Hanna nicht." und will ihn ihr wegnehmen. Hanna ganz entschieden: "Nein", murrt und dreht sich weg. Mama hat keine Zeit für eine Diskussion und verlässt sich auf learning by doing. Am Auto fragt sie dennoch: "Hanna, gibst du Mama den Ball?". Hanna guckt kurz in ihre Hand, sieht den Eiswürfel, überlegt, schüttelt den Kopf und murrt. Mama: "Gut, dann nich." und macht die Bande mit Papa startklar. Zu Hause angekommen geht's ans Ausladen der wertvollen Fracht. Mama sieht die zusammengeballte kleine Faust und fragt: "Willste ihn immer noch nicht hergeben?". Hanna hebt die Hand, Mama öffnet die kleinen Fingerchen und OH, nur ein paar Wassertropfen drin. Hanna ist schockiert: "MAMA!!!". Sie fängt an, den Boden und Mamas Hände zu untersuchen und guckt sie, als sie nichts findet, verdattert an. In Mama steigt die Angst hoch, verdächtigt zu werden und gleich Gebrüll in allen Tonlagen zu hören. Aber nein, Klein-Hanna rennt los und sucht sich einen neuen Ball. Und Mama nimmt sich vor, dass Papa das nächste Mal das Händchen öffnet. Nicht dass sie da noch einen Zusammenhang vermutet: 'Mama lässt Dinge verschwinden, wenn sie sie nicht kriegt. Ich muss auf meinen Teddy achten...'... Hex hex... 

 

 

21.01.15 
Und so anstrengend der Alltag und seine Anforderungen bei Tag und bei Nacht auch sein mag, so stelle ich mir doch hin und wieder die Frage: Was wird, wenn sie uns eines Tages nicht mehr brauchen? 

Der Gedanke, sie zum Abschied nicht in die Arme nehmen und küssen zu können, weil Mama und Papa peinlich sind, schmerzt. Kein Rufen nach uns in der Nacht. Kein Vorwand, ihnen endlos die Haare zu streicheln, obwohl sie schon längst wieder eingeschlafen sind. Kein Händchenhalten beim Autofahren oder beim Mittagsschlaf am Wochenende... 

So einen widersprüchlichen Quatsch können auch nur Eltern empfinden. Es ist wohl wie mit der Schulzeit - steckt man mittendrin, ist das Ende kaum abzuwarten. Ist die Schulzeit um, sehnt man sich so manches Mal nach ihr zurück. Ich glaub, so wird es auch hiermit sein. Es kostet so viel Kraft und Tränen und ich sehne mich danach, mir mein Leben und unsere Zweisamkeit zurück zu erobern. Aber ich merke schon jetzt, dass mir so viel fehlen wird.  

Wie sie sich mir an den Hals schmeißen und "Mama kuscheln" sagen. Die Hosen alleine anziehen wollen, jaulen, wenn der Bund nicht über den Hintern gehen will und "Mama helfen" jammern. Tausend kleine Dinge, bei denen man im Hier und Jetzt helfen MUSS, bei denen man aber in nicht allzu ferner Zukunft rückblickend helfen DURFTE.  

Sie sind zweieinhalb und ich merke bereits, dass ich doch nicht so locker flockig bin, wie ich mich gebe. Statt sie mit 16 in eine WG zu setzen, sollte ich mir lieber überlegen, ob der Zaun um unser Zuhause aus Draht, Holz oder Stein sein wird. Und ob 40 Meter reichen. Höhe versteht sich. Sie sind zweieinhalb und dieser abgedroschene Satz "Sie werden so schnell groß." wird immer alltäglicher. Gestern noch in die Krippe gekommen, in ein paar Wochen schon bei "den Großen". Sie sind zweieinhalb und nerven und stressen und treiben uns an die Grenzen und darüber hinaus. Und sie lassen uns strahlen und Freudentränen heulen und die größten Glücksmomente erleben.  

Dieses Elternding is schon sonderbar... 

 

 

 

20.01.15 
Papa packt sein neues Spielzeug aus. Ein ferngesteuertes Auto. Schwarz. Vier Räder. Auto halt. So denkt jedenfalls die Mama. Für ihn scheint es ein achtes Weltwunder zu sein. Zunächst wird bestaunt, dass der Karton tatsächlich mal unversehrt ankam. "Steht ja zerbrechlich druff", sagt Mama. Er öffnet ihn und hebt die eigentliche Kiste mit dem wahrgewordenen Männertraum raus. Und - oh Wunder - das Kistchen ist eingeschweißt. "Guck mal, das is sogar noch eingeschweißt." (Keine Übertreibung. Reales Leben.) Mama: "Ach deshalb issa so teuer.". Papas Euphorie is nicht zu bremsen. Auch wenn er die Infos schon kennt (und Mama auch), liest er von der Kiste vor: "... normaler Akku 40 km/h... zweiter Akku 80 km/h...". Mama gibt sich wenig interessiert und macht ihren was-Mamas-halt-so-machen-Kram. Zwischendurch hört man immer wieder "HAMMMMMAAAA!" aus Papas Ecke. Dann kommt er ganz aufgeregt an: "Guck mal" und präsentiert Mama das zerpflückte Auto. Mama guckt. Vier Räder und inna Mitte n Haufen Kabel. Er hat's kaputt gemacht, oder was? Nein, Sinn des Ganzen war es, Mama zu zeigen: "Da passen drei Akkus rein!". Mama hat mangt dem ganzen Kabelsalat keine Akku-rein-mach-Öffnungen gesehen, aber gut. Papa is eh schonwieder in sein Eckchen gegangen. Er schweigt. Studiert die Bedienungsanleitung. Und startet schonwieder einen Versuch, Mamas unterirdisch umfangreiches technisches Wissen auf die Probe zu stellen: "Den Heckflügel kann man auch einstellen.". Mama: "Nein sowas, fliegen kanna auch.". Papa: "Quatsch." Mama: "Also wieder nur so'n Null-Acht-Fuffzehn-Rotz.". Papa is aber zu vertieft, um darauf einzugehen. Irgendwann hört Mama noch: "Der hat sogar Öldruckstoßdämpfer." und verdreht die Augen. Und was kommt dann? Das Ding wird in den Schrank gestellt. In den Schrank. Mama: "Willste den nich fahren?". Papa: "Muss sechs Stunden laden."... Später, die Kids liegen schon im Bett, holt er sein Ding raus. Mama: "Sechs Stunden sind noch nich rum.". Papa: "Nur ma antesten." Und während Mama inna Küche die Geschehnisse des Tages festhält, testet Papa. Immer wieder fährt er in die Küche als erwarte er von Mama ein: "WOOOOOOW, WAS NE GEILE KISTE!!!". Aber sie lässt das kalt. Er geht in die Offensive: "Komma mit guckn. Ich will mal auf grader Strecke sehn, wie er beschleunigt.". Mama wackelt grummelnd hinterher. Start ist der Flur, der Weg führt quer durch's Esszimmer ins Wohnzimmer. Papa hält inne und los geht's. Und ja, das Ding prallt schon beeindruckend schnell gegen den Couchtisch. Mama wackelt zurück zur Küche. Papa ruft noch hinterher: "Ich brauch noch drei Akkus!". Mama: "Kanna dann fliegen?". Papa: "Schweig und geh an den Herd!". Mama vor sich hin grummelnd: "Null-Acht-Fuffzehn-Kacke..."… 

 

 

01.01.15 
An keinem anderen Tag im Jahr, auch nicht an Geburtstagen, spüre ich so sehr das Altern, wie beim Silvesterfeuerwerk. 

Ich wache bei Nicki am Krankenlager und schmule durch die Jalousie. Sie und oben ihre Schwestern schlafen seelenruhig. Mir wird schwer um's Herz. Glücklich über's ganze Jahr, aber in dieser Stunde fehlt mir meine Unbeschwertheit und Feiern im Freundeskreis von früher. Nichts ist wie es war, auch nicht dieser Freundeskreis. Alles verändert sich. Aber die Erinnerung bleibt. Und ist nun ganz präsent. Alles fing mit meinen Cousins und zwei Freunden an. Videoabende. Wrestling gucken. Spielkonsole. Brettspiele. Scharade. Ein paar Anekdoten fallen mir ein und lassen mich wehmütig schmunzeln. Ich überfliege im Geiste kurz, was aus uns geworden ist, wie wir uns voneinander entfernt haben. Man verändert sich. Partner kommen dazu und bringen Freunde mit. Wieder andere entfernt eine Partnerschaft von der "Clique". So auch bei mir. Paul hatte seinen Freundeskreis und ich fühlte mich dort gut aufgehoben und geborgen. Und am Beginn einer Partnerschaft zählt nur dieser eine Mensch und alles ringsum fällt in den Schatten. Und hat man wieder Augen für die Welt um sich herum, sind die Veränderungen befremdlich. So viele neue Gesichter in der Runde. Rückzug war angesagt. Und so wechselte der Freundeskreis. Wir bekamen Kinder und verleben unseren Jahreswechsel nun zu zweit bzw. fünft daheim. Heute sogar getrennt. Und beim Blick aus dem Fenster kann ich das Feuerwerk zwei Häuser weiter erahnen. Der alte, wenn auch völlig veränderte Freundeskreis, feiert wie jedes Jahr zusammen. Zwei der alten sind sicher dabei. Ja, ich vermisse es. Sehr. Jetzt. Bald fallen mir die Augen zu und wenn ich aufwache, ist es vergessen... Aber jetzt... Jetzt fehlen sie mir. Jetzt fehlt mir die Unbeschwertheit... Und die Last der immensen Verantwortung und der kleinen und großen Alltagssorgen ist stärker zu spüren denn je. Das Gefühl, nie wieder sorgenfrei in den Tag hineinleben zu können, beengt mich. Macht mich traurig. Weckt Sehnsüchte. Einfach nur ausschlafen. Klingt profan, aber es fehlt mir so sehr und ist doch so unmöglich. Zeit für mich haben. Ohne Druck und ohne Verantwortung. Das impliziert nicht, dass ich etwas bereue. Die Wahrheit hat mich nur eingeholt. Es ist kräftezehrend und anstrengend. Jeden Tag. Auch wenn es noch so erfüllend ist. Weglächeln kann manchmal verdammt schwer sein...  

Umso mehr wünsche ich mir Stärke, Gesundheit und Frieden. Bitte bitte, liebes Schicksal. Schütze uns. 

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