Archiv 2017

06.11.17 

Irgendwann im letzten Jahr hatten wir ihnen beigebracht, dass man die Arme nach oben strecken soll, wenn man sich verschluckt hat, weil der Hustenreiz dann schneller verschwindet. Ich hatte wo auch immer davon gehört und es klappte ganz gut. 

Das Ganze war inzwischen in Vergessenheit geraten, denn man verschluckt sich ja nicht allzu oft. 

Jetzt ist Erkältungssaison und dank dem hartnäckigem Husten, den alle haben, fiel es ihnen nun wieder ein. Mittlerweile haben sie es aber auch sehr gut verinnerlicht, dass man beim Husten die Hand oder die Ellenbeuge vor den Mund halten soll. 

Im Versuch, beides korrekt zu kombinieren entsteht also folgende Situation: 

Sie husten, halten sich die linke Hand vor den Mund und recken die rechte Hand nach oben. 

Witz verstanden? 

Ok, nochmal. Diesmal beschreibe ich detaillierter und du, lieber Leser, machst mit: 

Die linke Hand flach auf den Mund mit den Fingerspitzen zur Nase zeigend. Den rechten Arm nach oben; rechte Hand ausgestreckt mit der Innenfläche nach vorne. 

Ausprobiert? 
Leichten Schreck bekommen? 

Nun stellt euch das drei Mal vor. Drei laufende Meter mit blonden Haaren und blauen Augen. 

Mensch, war ich erleichtert, dass es nur im Wohnzimmer war... 

 

 

 

 

28.09.17 

Abendbrot mit drei aufgeweckten Mädels, von denen jede als erste vom Kita-Tag erzählen will. Wir geben uns schwer begeistert und fragen viel, um sie zum Erzählen zu animieren. Nebenbei wird ein gekochtes Ei abgepellt, Buletten schnabuliert, mit vollem Mund nach Ketchup verlangt und weitergeplappert. Chaotisch. Aber herrlich chaotisch. Und wenn man sich von dem Gedanken verabschiedet, selbst auch zum Essen kommen zu wollen, kommt man gut zurecht.  

Eine Fliege dreht neugierig ihre Runden und landet dabei in (IN) Ninas Nase. Nina ist geschockt, der Rest lacht los und auch sie selbst fällt mit ein. An der Fliege stören sie sich dann aber doch. Eine zweite kommt dazu und die Kinder werden zu Mimosen: "Iiih. Geh weg." und "Mama, ich hab Angst."  

Ich stütze also den Ellenbogen auf den Tisch und halte die Hand auf. "Mama, was machst du?", fragt Nina. "Ich fange die Fliegen.", sag ich. Alle gucken verdutzt. Ich erkläre den Fliegen: "So, ihr fliegt jetzt auf meine Hand, damit ich euch raustragen kann." Die Kinder schauen mit einem dicken "Hä???" im Gesicht zu den Fliegen. Nichts passiert. Sie sitzen an der Lampe und am Kühlschrank. Die Kinder schauen zu mir. "Ok," sag ich, "dann muss ich Fliegensprache probieren." Ich beginne: "sss ssss ss sssss." Das "Hä??" wird größer. Hanna: "Mama, du kannst das doch gar nicht." Nicky: "Die machen gar nix, wenn du 'sss' machst." Ich verdrehe die Augen: "Natürlich nicht. Habt ihr schonmal einen Menschen mit Fliegen sprechen hören?" Ein einstimmiges "Neeeeee". Ich: "Na seht ihr. Die Fliegen haben sowas sicher auch noch nicht gehört. Sie sind jetzt bestimmt ganz geschockt, dass so ein großer dicker Brummer wie ich mit ihnen sprechen kann." Nina kriegt große Augen: "Kannst du das wirklich?" Ich: "Ja, hör doch: sssss sss sssss ss." Ich betone das Gesumme dabei, als würde ich 'Hallo Fliege, hörst du mich?' sagen. Hanna: "Wow." Ich: "Versucht doch mal, ob ihr das auch könnt." Sie beginnen zögerlich zu summbrummen. Ich: "Ihr müsst natürlich auch die Hand aufhalten." Drei Hände werden in die Höhe gereckt. Ich stehe auf, gehe zur Kühlschrank-Summse und rede auf sie ein: "Sssssss ssss ss sss, sss ss Sssssss ss. Sssss! Ssss ss ss sss Ssssss ss." Die Kinder springen auch auf. Ebenso die Fliegen.  

Ich setze mich und beobachte schmunzelnd meine drei Fliegenfänger. Dann geht mein Blick zu Paul. Er sitzt stocksteif da, glotzt mich mit hochgezogenen Augenbrauen an, hat er Mund offen und einen Mundwinkel hochgezogen. Sein ganzes Gesicht sagt: 'Ambulant oder gleich stationär - welchen Psychiater soll ich holen?'. Ich: "Mach den Mund zu. Ich hab den Fliegen zwar gesagt, sie sollen auf die Hände fliegen, aber riskiere lieber nicht, dass sie dir ans Zäpfchen krachen." Er schließt den Mund. Er schließt die Augen. Er vergräbt sein Gesicht in seinen Händen und schüttelt den Kopf. Ich: "Mund schließen reicht völlig aus." Er schaut mich an, ruft die Kinder zu sich und deutet mit ausgestrecktem Finger auf mich: "Guckt euch das mal genauuu an: So sieht das aus, wenn das Hirn Feierabend hat und saufen geht." Ich werfe mich im Stuhl zurück und verschränke bockig die Arme. Nicky schaltet zuerst: "Mama, du hast uns reingelegt." Nina zieht ein wutentbranntes Gesicht. Anna startet ihr Meckerprogramm und Paul hetzt sie mir mit Kitzel-Komando auf den Hals. Ich: "Du solltest den Mund schließen!" Ich ergebe mich und lasse mich bis unter den Tisch kitzeln.  

Eine ganz normale Mahlzeit bei Drillingen mit durchgeknallten Eltern. 

 

 

 

08.08.17 

Tischgespräch... 

Alles schmatzt vor sich hin. Schmeckt wohl heut, was Mama da zusammengematscht hat. Es herrscht sogar Stille. Naja, von Dauer ist das ohnehin nie. Gerade so lange, dass man sie noch kurz wahrnimmt.  

Und da ist es auch schon soweit. Nicky scheint beim Pesto-Schnecken essen (Anm. der Kinder: "Iiiiiiih Schnecken...." und später: "Lecker Schnecken.") einzufallen, was sie heute Entsetzliches gesehen hat. 
Sie reißt die Augen auf, stemmt die Hände in die Hüften und überschlägt sich fast vor Entrüstung: "Mama weißt du - der Kenny hat heut in der Kita seinen Pullermann gezeigt." 

Paul und seinem Bruder fällt beinah das Essen aus dem Gesicht. 

Mein Mund ist zum Glück grad leer. Ich setze ein ernstes Gesicht auf, stocke dann aber. Wie zum Kuckuck soll man reagieren? Ein "pfui" macht prüde, ein "wow" macht neugierig. Ich entscheide mich für den Mittelweg: "Aha!" 

Nicky: "Ja. Und das darf man nicht." 
Nina: "Nein, den Pullermann zeigt man nicht so rum." 
Hanna: "Nein, und Mumu und Po auch nicht." 
Ich: "Nee, muss nich sein." 
Nicky: "Der war sooo klein." 
(Schade, die Männer hatten sich grade wieder beruhigt. Jetzt wird gehüstelt.) 
Hanna: "Wie klein?" 
Nicky zeigt: "Sooo" 
Hanna: "Oooh" 
Nina: "Papas Pullermann ist ganz groß und dick." 

Mein Schwager muss den Raum verlassen. 
Ich klopfe Paul kräftig auf den Rücken, weil ihm ein Bissen im Hals stecken geblieben ist. 

Ich mit piepsiger Stimme: "Ach so?" 
Hanna: "Ja, hab ich neulich auch gesehen?" 
Nicky: "Stimmt das Papa?" 
Paul zuckt bescheiden mit den Schultern. 

Ich springe auf, klatsche in die Hände und frage, wer nach dem Abendessen noch eine Runde "Hexenbingo" mit mir spielen möchte. Und es gelingt - das Thema ist vergessen. 

Etwas später sitzen wir zusammen und spielen. Zwischen zwei Runden verdrückt sich Paul ins Bad. Nicky scheint zu ahnen, dass das eine gute Gelegenheit ist, sich einen Eindruck zu verschaffen. Sie springt auf und rennt ebenfalls zum Bad. Nur Augenblicke später kommt sie zurückgestampft, baut sich vor Nina auf, macht ein schockiertes Gesicht und sagt: "Das is ja schlimmer, als ich dachte!" 

Den Rest krieg ich nicht mit. In hohem Bogen pruste ich das Mineralwasser über den Tisch.  

Das pikante Thema war dann wie weggespült... 

 

 

 

01.08.17 

Nachdem wir nun wochenlang das nächste Unheil haben kommen sehen, kam nun heute die Entwarnung. Unauffälliges Schädel-MRT. 

Hintergrund war eine plötzliche Sehstörung bei Paul. Nicht die erste. Harmlos sagten viele. "Nur" eine Migräneform. Die Onkologin war da beim Routinetermin schon pessimistischer. Aufgeregtheit, als hätte man den Fuchs in den Hühnerstall gesperrt. Aber alles ist gut ausgegangen... 

Tja, und was soll ich sagen - nach dem verfickten letzten Jahr blendet man sowas schon besser aus. Es ist irre, aber wir sprachen kaum davon und dachten nicht viel daran. 

Heißt das nun, dass uns das stärker gemacht hat? Oder abgebrühter? Oder nur fokussierter? Wissen wir jetzt, was wichtig ist und was uns nicht beherrschen darf? 

Naja, letztlich stimmt wohl, was sie sagen: "Man wächst mit seinen Aufgaben." 

Das Fell wird dicker. Nicht mehr alles kommt an mich ran. Was wichtig ist und was igrnoriert werden kann, fällt mir leichter zu unterscheiden. Das erleichtert. Es hilft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.  

Auf meine Drei.  
Auf ihn. 

Mehr zählt nicht.  
Ich stell es immerwieder fest. 

Ich mach mir Sorgen. So viele Sorgen. Gesundheit. Finanzen. Oh dieses verdammte Geld. Verpflichtungen. Erwartungen. Whatever.  

Und dann muss ich nochmal hoch zu den Kids. Benjamin Blümchen trötet noch. Timer vergessen. Ich mach die CD aus. Stille. Ich geh zu den Betten der Mädels. Schließe die Augen. Lausche. Atmen. Gleichmäßig. Beruhigend. Ein bissel Schnaufen. Zuckersüß. Ich öffne die Augen. Im schwachen Licht seh ich meine Mädchen. Die Haare zerzaust. Kuscheltiere umklammert. Die zarten Wangen. Die süßen Schnuten.  

Und wieder quillt mein Herz über vor Liebe. Nahezu unbeschreiblich. Es drückt mir die Luft aus den Lungen. Es schnürt mir die Brust zu. Es treibt mir Tränen der Glückseligkeit in die Augen. Ich bin voll Liebe. 

Und ich darf drei Mal lieben. Ich bin Drillingsmama. "Drillinge". Abgefahren. Irre. "Drillinge". Und dabei so normal.  

Die Einen sagten: "Es wird nicht besser; es wird anders.", wenn ich tausendundein Mal an dieser Aufgabe fast zerbrochen wäre. Andere sagten: "Es wird besser, je älter sie werden." 

Die Auflösung? 
Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, aber momentan ist es wundervoll, Drillinge zu haben. Nicht nur das selbstständige Spielen, sondern auch das Helfen. Oft sind wir schon überflüssig. Sie sind keine 5 Jahre alt, schmeißen mit uns zusammen aber bereits den Haushalt. Alles kann. Nichts muss. Aber sie sind irre hilfsbereit. 

Es ist wirklich leichter als noch vor einem Jahr. Oder zweien. Mehr Zeit zum Genießen. So viel zum Genießen... 

Und so begann der Post mit Angst und endet mit Liebe... 

Was braucht es mehr als Liebe? 

... 

 

 

 

 

27.4.17 

Bäuche voll, Schnuten sauber, Zähne blitzen, ab ins Bett.  

Zehn Füße trampeln die Treppe hoch und rennen ins Kinderschlafzimmer. Ich setz mich in die Kuschelecke und vor mir stehen sie Schlange. Tick, Trick und Track lassen sich gemütlich ausziehen und Haare bürsten. Paul räumt derweil auf und verteilt die erste von vielen Gute-Nacht-Kussis-Runden. Recht fix sind alle in den Betten und ich beginne vorzulesen. Paul besucht währenddessen nach und nach die Mäuse an ihren Betten, kuschelt, knuddelt, flüstert Geheimnisse, knutscht, streichelt, liebt. Als ich fast eine Stunde später alles, was es über Theas Geburtstag, zwei Streithähne und Quengelflöhe zu berichten gibt, vorgelesen habe, starte auch ich meine Knuddel-Knutsch-Runde. Als ich bei Hanna gerade Richtung Nina starten will, zückt Hanna ihren übergroßen pinken Zauberstab und legt los: "Eene meene meck, Mama hat jetzt ein Kleid. Hex hex." Ich schaue an mir runter, schalte auf Fantasy-Modus und staune über mein Kleid. Ich greife in den Stoff und drehe mich ein Mal im Kreis. "Oh schaut mal, wie schön mein Kleid ist." Die Kinder strahlen. Hanna zückt wieder ihren Zauberstab und deutet auf Paul: "Eene meene meck, Du hast einen Anzug. Hex Hex." Paul schaut an sich herunter und staunt. "Schick?", fragt er Nina und Nicky. Sie nicken eifrig. Hexe Hanna macht weiter: "Eene meene meck, ihr tanzt jetzt. Hex hex!" Paul wendet sich zu mir, verbeugt sich und nimmt mich in den Arm, während die drei Gänse gackern. Ein paar Runden drehen wir uns. Ich schau in die schönsten Augen der Welt, halte seine starke warme Hand und bin unendlich glücklich. Ich kuschel mich an ihn und schließe die Augen... 

Ich höre "Nine million bicycles" von Katie Melua. Paul führt mich an seinem Arm zwischen Familie und Freunden hindurch. Ich setze mich, halte seine Hand, lausche weisen Worten, schaue in seine Augen, sage "Ja", höre "Ja" und wir tauschen die Ringe. Ich lege meine Stirn an seine und höre "Ich liebe dich, mein Engelchen"... 

Und so wie vor fast 11 Jahren stehen wir da, als es heißt: "Eene meene meck, ihr tanzt jetzt nicht mehr. Hex hex." Danach zaubert Hanna noch einen Kuss und macht gemeinsam mit ihren Schwestern "Hihi" und "Iiiiih", als wir uns küssen. 

Und um mich herum gibt es nur noch 4 Herzen und nichts sonst. Meine Familie. Mein Glück. Meine Welt... 

 

 

 

 

22.04.17 
Immer wenn sie diese Frage stellen, bricht in mir alles zusammen. Und dabei muss ich Stärke und Zuversicht ausstrahlen... 

"Mama, wann stirbt Papa?"... Besonders Nina stellt diese Frage in letzter Zeit oft und wir wissen nicht warum. Für so vieles hab ich wieder Kraft, aber nicht dafür. Von Mal zu Mal fällt es schwerer. Aber Tränen oder andere Zeichen von Traurigkeit gehen dann nicht. Stark sein. Aber nicht können. Mittlerweile muss Paul diese Fragen schon selbst beantworten...  

Ich möchte rausrennen. Schreien. Weinen. Alles zerschlagen. Auf den Boden sinken... Gehalten werden... 

Die Psychologen sagen, die Kinder sollen die Wahrheit kennen. Da stehen sie vor mir und ich soll ihnen sagen, dass ihr Papa... Nein. Ich will sie lieber belügen. Sollen sie die Zeit doch unbeschwert leben und genießen. Es wird schon früh genug schwer für sie... 

Ich will wieder Kind sein. Ich will keine Sorgen mehr. Ich will kunterbunte Einhörner und Seifenblasen und Luftballons und hohes sattes Gras und Sonnenschein und Lachen... 

Und gehalten werden... 

 

 

 

 

21.03.17 

Kuschelstunde. Hanna hängt wie ein Äffchen an mir. Nina liegt quer über Paul und Nicky turnt dazwischen rum. Ich: "Ihr seid so süß." Hanna und Nina schmiegen sich noch dichter an uns und Nicky springt auf und baut sich vor mir auf: Hände in die Hüften, Oberkörper bedrohlich vorgebeugt, Augen zu Schlitzen gequetscht, Augenbrauen wutentbrannt zusammengezogen. Sie brüllt mich mit ihrer süßen Mausestimme an: "ICH BIN NICHT SÜß." Sie stampft mit dem Fuß auf, verschränkt die Arme vor der Brust und fügt hinzu: "ICH BIN PUTZIG."  

Ja, wie zum Kuckuck soll man da ernst bleiben??? 

 

 

 

20.03.17 

Ich lieg fiebrig und matt im Bett, während Paul die Mädels holt. Kaum daheim stürmen sie das Schlafzimmer. Hanna zuppelt meine Decke zurecht, Nina kuschelt sich an mich und Nicky versucht mir das Thermometer ins Ohr zu popeln. Paul setzt sich auf meinen Bettrand und versucht den Kids zu erklären, dass Mama heut Ruhe braucht. Nina "lässt also von mir ab" und stürzt sich auf Paul. Bäuchlings über seiner Schulter hängend, krault sie ihm kopfüber den Rücken und er schnurrt. Nicky gibt mir Tabletten (drei Eicheln), balanciert kurz über das Fußende des Bettes und schmeißt sich dann auch auf Paul. Hanna zuppelt die Decke nochmal zurecht und flüstert mir zu, dass ich sie rufen soll, wenn ich sie brauche. Sie würde es dann auch nicht ihren Schwestern sagen, damit sie mich nicht stören. Ich nicke ernst, sie schmust sich an mich und Paul und ich tauschen diesen Blick, der sagt: "Scheiß auf den Rest - HIER ist, was zählt." 

Ich liebe meine süße Familie. 

Kürzlich wurde ich gefragt, wie ich mir die Zukunft in vier bis fünf Jahren ausmale... Dass er noch lebt - mehr will ich nicht...  

Wir erleben derzeit viel viel Gutes. Das hilft zu verdrängen. Aber jeder Moment wie dieser hier im Bett, der so voll mit Liebe ist, weckt auch immer die Angst... 

In Russland soll ein Heilmittel gegen alle Krebsarten entwickelt worden sein, das in vier Jahren auf dem Markt sein soll... 

Bitte bitte, liebe "Strippenzieher" - schießt kein Geld ins All, mischt euch nicht auf Kosten der Steuerzahler ein, steckt mehr Ressourcen in Bildung, Forschung und Gesundheit. Rettet meinen Mann. Rettet mein Glück. Rettet meinen Kindern den Papa. Gebt uns Zeit... 

 

 

 

13.03.17 

Nicky: "Ich geh auf Toilette." 
Ich: "Ok." 
Wenig später aus'm Bad: "Mama, bin fertig!" 
Ich bin in Kasperlaune: "Ok." 
Stille. 
Nicky: "Mama, kommst du?" 
Ich schlender zur Bad-Tür: "Was'n?" 
Nicky: "Ich bin fertig." 
Ich: "Aha." 
Nicky is verdutzt. Sonst springt die Mama doch immer, wenn sie was sagt. Aus'm Hintergrund rät mein Schwager: "Vielleicht sollste gratulieren." 
Nicky versucht's nochmal im Guten, aber mit bedrohlichem Unterton (Wenn sie sich nicht halten müsste, würde sie die Hände wütend in die Hüften stützen.): "Mama, ich bin fertig!!!" 
Ich: "Ich gratuliere Ihrer Hoheit herzlichst zum erfolgreichen Geschäftsabschluss." 
Nicky brüllt: "PAAAPAAAAA" 
Paul: "Watt'n?" 
Nicky: "Mama nervt mich!" 

mission complete... 

 

 

 

12.03.17 

Mittagsschlaf steht an. Nicky schläft bei Papa und ich bei Nina und Hanna. Also ich in Ninas Bett, Hanna in Nickys Bett und Nina in Hannas Bett. Nach reichlich Hin und Her natürlich. Alle Hintern sind unter den Decken und alle Köpfchen auf den Kissen. 
Ich: "Wer zuerst schläft, is Erster." (Für die Kids zählt nur das letzte Wort; nicht die Wahnsinnslogik dahinter.) 
Schnell gehen die Augen zu und alle schreien wir: "Erster."  
Dann ne zickig-hitzige Debatte, wer wirklich Erster war, bis von mir ein mehr oder weniger ohrenbetäubendes "Psssssssst" kommt. Alle Augen wieder zu. Stille. Natürlich nur kurz. 
Hanna: "Also wenn jetz einer ein Geräusch macht, gibt's Schimpfe von mir."  
Nina und ich gucken uns über die Bettkanten hinweg an.  
Ich stachel sie an: "psssst", und sie: "psssst", und ich: "psssst".  
Hanna: "Ihr sollt leise sein!!!"  
Nina und ich glucksen vergnügt, hören aber auf.  
Stille. Mir is langweilig.  
Ich grummel lautstark.  
Hanna empört und verzweifelt: "Manno Mama! Hör jetzt auf!"  
Ich kleinlaut: "Ok."  
Ich warte kurz. Dann: "Hab dich lieb, Hanna."  
Hanna: "Ich hab dich auch lieb. Aber du musst jetzt schlafen. Hast du gehört, Mama?"  
Ich mit gespieltem Ernst: "Ja ok, Hanna."  
Stille. Zirka 3 Minuten. Wenn's hochkommt.  
Ich: "Hanna, schläfst du schon?"  
Hanna: "Ja!"  
Ich: "Nina, schläft du schon?"  
Nina: "Ja..."  
Ich: "Ich auch."  
Stille...  
Eineinhalb Stunden später.. 
Hannas Maulen weckt mich: "Mamaaa!!!"  
Ich grummel (das muss reichen).  
Hanna: "Ich kann nich schlafen."  
Ich grabbel nach meinem Handy, schau auf die Uhr und sag: " Biste vielleicht einfach fertig mit Schlafen?"  
Stille. Hanna überlegt.  
Dann ein kleinlautes: "Ja."  
Ich: "Na dann steh doch uff."  
Ich hör sie Richtung Stube tapsen und schlummer wieder ein.  
Nina: "Kann ich auch aufsteeeeehn?"  
Ich grummel.  
Nina: "Mama?"  
Ich: "Ja, steh auf." Es tapst ein zweites Mal. Ich denk mir, dass ich nun wohl schlafn kann. Pustekuchen. Da war ja noch ne Dritte.  
Nicky stapft an "mein" Bett, gibt mir ein Kussi auf die Wange und brüllt-flüstert mir ins Ohr: "Aufstehn, liebe Mama. Ich hab dir Tee gemacht."  
Und schon hab ich ne Spielzeugtasse an der Oberlippe. Grummelnd kippe ich das Gesöff runter und hoffe auf Ruhe.  
Nich mit Nicky: "Willst du auch Kekse?"  
Ich: "Müde. Schlafn. Jetz."  
Nicky: "Aber Mama, du musst mit uns spielen. Jetz!"  
Ich grummel.  
Nicky stemmt die Hände in die Hüften: "Mama, steh jetz auf, sonst fang ich an zu zählen."  
Ich: "Pah!", und dreh mich weg.  
Nicky: "Eins... zwei... drei... vier..."  
Ich dreh mich gespielt aufgeregt um: "Wollen wie verstecken spielen?"  
Nicky: "Au ja."  
Ich: "Ok, du machst die Augen zu und zählst." 
Nicky schließt die Augen und zählt. Ich zieh mir die Decke über den Kopf. Sie is fertig. Schon knallt ihr Arm auf meinen Kopf.  
Nicky: "Hab dich. Jetz bist du dran mit Zählen."  
Ich: "Ok... Eins... zwei..."  
Und statt sie hastig wegrennen zu hören, knarzt das Bett neben mir. Ich linse unter der Decke vor. Die Bettdecke im Nachbarbett bebt vor Gekicher.  
Ich: "Oh, Nicky is weg. Schade. Muss ich wohl weiterschlafen."  
Da brüllen mich Hanna und Nina aus'm Türrahmen an: "Mama, steh jetz auf!"...  
Theatralisch seufzend geb ich auf. Und dann springe ich aus dem Bett, geh in Angriffsposition und brumme mit tiefer Stimme: "Ich bin der Wolf und will euch fressen!" Und zack rennen sie alle drei jolend zu Paul. Endlich Ruhe. Mal sehen wie lange... 

 

 

 

26.01.17 
Ich könnte singen und tanzen und springen - aktuell keine zweite Transplantation nötig; weil Pauls Werte so geil sind. Oh wooow. Schaut mal aus dem Fenster, sehr ihr die sieben Regenbögen mit den tanzenden Teletubbies darauf? Es schnuppert nach Gummibärchen und heißer Schokolade. Ich höre "Lollipop" und könnte die Welt umarmen. Wann war ich das letzte Mal so so so glücklich? Es scheint Jahre her zu sein... 

 

 

 

 

 

 

 

20.01.17 
Szenen einer liebevoll-sarkastischen Ehe:  
Ich: "Ich mag es nicht, wenn ich das Gefühl habe, dass ich dich nerve." 
Paul: "Dann nerv mich doch einfach nicht." 
Nice... 

Oder gestern beim Abholen der Kinder. Ich: "Passt auf, Mädels. Wo Eis is, isses glatt." Paul: "Deswegen darf man in der Tiefkühltruhe nicht rennen." 
Charmant... 

Ich liebe diese Alltagslacher. Und die gibt's bei uns ständig. Das hilft ungemein in dieser Zeit. 

Bald vielleicht die nächste Stammzelltransplantation. Und dann kehrt hoffentlich endlich Ruhe ein. Langsam wachsen Pauls Haare wieder, so dass optisch bald nix mehr daran erinnert. Ich könnte jedes Mal ausrasten, wenn er wegen seiner Glatze verächtlich angeguckt wird, als wäre er ein Nazi. Das ist so verletzend... 

Es wird langsam Zeit für Normalität. Wie gerne wäre ich gesund und würde morgens einfach zur Arbeit fahren, mein Bestes geben und abends eine schöne Zeit mit Kind und Kegel verbringen. Sicheres Einkommen vor allem. Nein. Die 33-jährige muss vorübergehend Rente beantragen. Das ist so belastend. Ich war so ein Arbeitstier und werde es hoffentlich auch bald wieder. Man fühlt sich nur halb, wenn man diese Aufgabe nicht mehr hat. 

Kürzlich wurden wir gefragt, was wir uns wünschen würden, wenn wir einen Wunsch frei hätten. Na was soll ich sagen? "Alle Wünsche werden klein, gegen den, gesund zu sein." Nur leider hab ich die passende gute Fee noch nicht gefunden. ***Bibbedi Babbedi Buh*** und zack - alles ist normal. Leute, ihr glaubt gar nicht, wie sehr man sich nach Arbeit sehnen kann. Man fühlt sich vollwertig. Gebraucht. Nützlich... 

Ich arbeite daran, Pessimismus durch Zuversicht zu ersetzen. Aber verdammt - das fällt schwer... Na wenigstens ist 2016 hinter uns... 

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